AD(H)S und der Darm: Gibt es Zusammenhänge mit dem Mirkobiom?

Der Zusammenhang zwischen einer veränderten Darmflora und psychischen Erkrankungen wird in den letzten Jahren unter dem Schlagwort der Darm-Hirn-Achse vermehrt diskutiert.

Tatsächlich konnten bei Depressionen, Angsterkrankungen und Autismus bereits Zusammenhänge belegt werden. Dabei scheint der zugrundeliegende Mechanismus eine Veränderung in der Neurotransmitter ("Botenstoff")-Konzentration im Gehirn zu sein. Denn beispielsweise können einige Darmbakteiren einen Botenstoff bilden, der im Gehirn grob gesagt für Hemmvorgänge in der Übertragung zwischen der Nervenzellen  (Inhibition) zuständig ist. Dieser Botenstoff heißt GABA. Solche Hemmvorgänge z.B. wichtig für die Impulskontrolle. Tatsächlich konnte in einer Studie bereits 2012 gezeigt werden, dass eine geringe Konzentration von GABA im Cortex des Gehirns und die Schwere der Impulsivität bei ADHS in Zusammenhang stehen (Edden, R.A. et al: Reduced GABA concentration in attentiondeficit/hyperactivity disorder. Arch. Gen Psychiatry 2012;69(7)).

Auch die Synthese anderer Neurotransmitter, zum Besipiel Serotonin und Dopamin wird vom Mikrobiom des Darms mitbeeinflußt. Die Zusammensetzung des Mikrobioms spielt also eine Rolle für das Neurotransmittergleichgewicht im Gehirn und dabiei geht es vor allem um die sog. Diversität, also die Vielfältigkeit in der Zusammensetzung des Mikrobioms.

Eine Studie aus dem Jahr 2018 konnte zeigen, dass die Diversität des Mikrobioms bei männlichen ADHS-Patienten im Vergleich zu Kontrollpersonen statistisch signifikant reduziert war (Prehn-Kristensen, A. et al: Reduced microbiom alpha diversity in young patients with ADHD. PloSONE 2018:13(7)).

Möglicherweise liegt hier sogar ein neuer Therapieansatz: Probiotika oder bestimmte Mikronährstoffe für das Mikrobiom könnten in der Behandlung von AD(H)S nützlich sein. Dieser Ansatz ist bereits Gegenstand von wissenschaftlichen Studien.

Mehr dieser interessanten Informationen finden Sie in der Übersichtsarbeit von Frau Prof. Roll und Frau Prof. Hahn in der Zeitschrift "Der Neurologe&Psychiater" vom Dezember 2018