ADHS und Strassenverkehr

  • Posted on: 24 January 2018
  • By: Limbic Systems

Als Arzt wird man häufig von ADHS-Patienten gefragt, ob sie unter der Einnahme von Methylphenidat Auto fahren dürfen bzw. ob es bei etwaigen Verkehrskontrollen zu Problemen kommen kann. Dazu muss man zunächst wissen, dass es bezüglich der Teilnahme am Strassenverkehr zwei wichtige Begriffe gibt: Die sog. Fahreignung bedeutet, dass der Fahrzeuglenker über die notwendigen körperlichen und geistigen Fähigkeiten verfügt, um ein KfZ zu führen. Es handelt sich also um eine personenbezogene und in der Regel dauerhafte Fähigkeit, die aber durch bestimmte Erkrankungen eingeschränkt oder sogar aufgehoben sein kann. Im Straßenverkehrsgesetz sind diese Krankheiten oder Behinderungen aufgelistet, dabei ist ADHS nicht aufgeführt. Bezüglich der Einnahme von Methylphenidat haben inzwischen zwei Gerichsturteile klar gestellt, dass die Einnahme dieses Medikamentes nicht grundsätzlich zum Zweifel an der Fahreigung berechtigt. Voraussetzung ist natürlich, dass das Medikament gemäß der ärztlichen Verordnung eingenommen wird. Wissenschaftliche Untersuchungen konnten zeigen, dass ADHS-Patienten unter Methylphendiat bessere Leistungen z.B. am Fahrsimulator erbringen als ohne Medikation. Der zweite wichtige Begriff in Zusammenhang mit der Teilnahme am Strassenvehrkehr ist die sog. Fahrtüchtigtkeit. Es handelt sich dabei um die momentane Fähigkeit zum Autofahren - sie ist also zeit- und situationsbezogen. Die Fahrtüchtigkeit wird zum Beispiel durch Alkohol oder dämpfende Medikamente eingeschränkt, in der Regel aber nicht durch Methylphenidat zur Therapie der ADHS, da dieses ja die Aufmerksamkeit nicht beeinträchtigt, sondern verbessert. Es ist rechtlich nicht zwingend vorgeschrieben, dass medikamentös behandelte ADHS Patienten eine Bescheinigung über die Verordnung mit sich führen, aber es ist durchaus zweckmäßig, z.B. eine Rezeptkopie im Auto zu haben, da die Einnahme von Methylphenidat die Ergebnisse beim Drogentest verfälschen können.